
Geschichte des Flughafens Lübeck
zusammengestellt von Alexander Steenbeck M.A.
Der Beginn: Die 1910er Jahre
1915: Erste Anfragen des kaiserlichen Kriegsministeriums nach einem Platz für eine Fliegerstation in der Hansestadt.
1916: Baubeginn auf dem 135 Hektar großen Gelände im Süden Lübecks zwischen den Dörfern Wulfsdorf und Groß Grönau. Viele Bauern verlieren ihre Felder.
1917: Fertigstellung von Unterkünften und Flugzeughallen. Aufnahme des Flugbetriebs einer kaiserlichen Fliegerschule zur Ausbildung von Piloten für die Front.
1918: Mit Ende des Ersten Weltkriegs Einstellung des Flugbetriebs bis zum Jahr 1919. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages wird der Flugplatz ab 1920 demilitarisiert, Hallen und Gebäude teilweise abgerissen.
Zwischen den Kriegen: Die 1920er Jahre
1922: Fortsetzung der Abrissarbeiten der Fliegerstation.
1925: Der Lübecker Verein für Luftfahrt testet auf dem Flugfeld seine beiden in Eigenregie hergestellten Flugzeuge.
1925: Erster Flugtag des Lübecker Verein für Luftfahrt in Blankensee. Präsentiert werden Kunstflüge und Ballonjagden mit Flugzeugen der Fliegerschule Bornemann aus Berlin. Die Sensation: Fallschirmabsprünge.
1926-1929: Jährliche Wiederholung des Groß-Flugtages von 1925 mit Rundflügen und Show-Einlagen ehemaliger Weltkriegspiloten.
Wiederaufrüstung: Die 1930er Jahre
1930-1933: Das Fluggelände liegt aufgrund der Weltwirtschaftskrise und deren Auswirkungen brach, wird teilweise wieder landwirtschaftlich genutzt.
1935: Baubeginn für den Fliegerhorst Lübeck-Blankensee in der Nähe zum gleichnamigen Dorf. Umfangreiche Kasernenanlagen und Flugzeughallen entstehen bis 1936/37.
1936: Die II./Sturzkampfgeschwader 162 (Traditionsname „Immelmann“) wird in Blankensee aufgestellt. Ausgerüstet ist die Luftwaffen-Einheit teilweise mit Junkers Ju 87 „Stuka“.
1938: Verlegung der „Immelmann“-Gruppe nach Österreich, im Gegenzug kommt die I./Kampfgeschwader 257 mit Bombern vom Typ Heinkel He 111 aus Zerbst nach Blankensee (Traditionsname: „Löwengeschwader“).
1939: Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bekämpfen die Lübecker Flieger britische Schiffsverbände in der Deutschen Bucht sowie an der englischen und norwegischen Küste.
Zerstörung und Neuanfang: Die 1940er Jahre
1940: Das Löwengeschwader bildet in Blankensee bis 1944 Nachwuchsbesatzungen aus. Die Werft in Blankensee wird Reparaturwerk für die Rostocker Heinkel-Flugzeugwerke.
1941: Stationierung von Flugzeugen zur Zieldarstellung für Flak- und Scheinwerfer-Einheiten rund um Lübeck.
1944: Weiterer Ausbau des Fliegerhorsts insbesondere Verlängerung der Start- und Landebahn auf die heutige Ausdehnung (1800 Meter). Am Ausbau beteiligt sind etwa 1000 Zwangsarbeiter.
1944/45: Stationierung von Nachtjäger- sowie Düsenjäger- und -Bomber-Einheiten. Letzte Flüge der Luftwaffe noch am 2. Mai 1945, als britische Truppen in Lübeck einmarschieren.
1945: Übernahme des Fliegerhorstes durch die „Royal Air Force“. Blankensee wird Trainingsbasis für die britische Luftwaffe.
1948/1949: Während der Berlin-Blockade fliegen „Rosinenbomber“ vom Typ DC-3 im Rahmen der Luftbrücke bis zu 100 Einsätze täglich von Blankensee aus nach Berlin. Die Besatzungen stammen aus England, Australien, Neuseeland und Südafrika.
Ziviler Neubeginn: Die 1950er Jahre
1950: Abzug der „Royal Air Force“ und Demontage der Flugzeughallen. Unterbringung von bis zu 5000 Flüchtlingen aus der DDR in den ehemaligen Fliegerhorst-Kasernen.
1952: Reaktivierung des Flugplatzes aufgrund einer Initiative des Aero-Clubs Lübeck und des Ratzeburger Luftsportvereins. Erste regelmäßige Flüge mit Segelflugzeugen am Platz.
1955: Ziviler Motorflug des neugegründeten Lübecker Verein für Luftfahrt, der fortan in Blankensee eine vereinseigene Flugschule betreibt.
1956: Ansiedlung von Zieldarstellungsflugzeugen vom Typ „Spitfire“, betrieben von der belgischen Firma „Cogea“. Bau einer neuen Flugzeughalle.
1956: Erste Versuche, Fluglinien nach Skandinavien zu etablieren, scheitern nach kurzer Zeit aufgrund der Nähe zur DDR-Grenze.
1958: Gründung der „Betriebsgesellschaft Flugplatz Lübeck-Blankensee mbH“ als Betreiber des Flughafens durch die Stadt, den Aero-Club und den Lübecker Verein für Luftfahrt.
Am Eisernen Vorhang: Die 1960er Jahre
1960: Bau eines ersten modernen Towers.
1961: Ein erneuter Versuch einer regelmäßigen Flugverbindung nach Skandinavien scheitert nach kurzer Zeit aufgrund der Begebenheiten am Platz.
1961: Die Bundeswehr bezieht die ehemaligen Fliegerhorst-Kasernen.
1961: Erster großer Flugtag nach Ende des Zweiten Weltkriegs. 50.000 Zuschauer kommen nach Blankensee.
1962: Der Bundesgrenzschutz zieht in Kasernenblocks am Blankensee.
1962: Der Deutsche Luftfahrt-Beratungsdienst übernimmt die Zieldarstellungsflüge von Lübeck aus. Die „Spitfires“ werden abgelöst durch englische Flugzeugträger-Maschinen vom Typ Hawker „Seafury“.
1964-1965: Umfangreiche Baumaßnahme: Einzäunung, UKW-Peiler, Rollwege, Hallen.
1967: Ein erneuter Versuch einer regelmäßigen Flugverbindung nach Skandinavien scheitert nach kurzer Zeit. Infrastruktur und die Nähe zur DDR-Grenze geben Anlass zur Kritik.
Unerfüllte Hoffnungen: Die 1970er Jahre
1970: Einweihung eines neuen Flughafen-Gebäudes.
1970: „General Air“ lässt sich in Blankensee nieder, bietet innerdeutsche Linienflüge an.
1970: Die „Elbeflug GmbH“ will von Lübeck aus, mit ausgemusterten Bundeswehr-Transport-Flugzeugen vom Typ „Noratlas“ Frachtflüge anbieten. 1972 folgt der Bankrott.
1973: Flucht einer dreiköpfigen Familie aus der DDR mit einem Agrarflugzeug. Start bei Gadebusch, Landung trotz fehlender Flugkenntnisse ohne Verletzte in Blankensee.
1974: Austausch der Hawker „Seafury“ gegen Rockwell OV 10 „Bronco“ für die Zieldarstellung.
1975: Einstellung des Flugbetriebs von „General Air“.
1977 und 1979: Großflugtage des Lübecker Vereins für Luftfahrt. Jeweils über 40.000 Zuschauer bestaunen ein breites Flugprogramm. 1979 mit dabei: das französische Kunstflugteam „Patrouille de France“.
1978: Geplanter Pendelverkehr Lübeck-Berlin der „Berlinair“ kommt mangels Nachfrage nicht zustande.
Abschied von Gewohntem: Die 1980er Jahre
1980: Verstärkung der Bronco-Flotte durch vier IAI „Westwind“-Jets
1982: Großflugtag des Lübecker Vereins für Luftfahrt. Höhepunkt: das österreichische Kunstflugteam „Karo-As“.
1985: Großflugtag des Lübecker Vereins für Luftfahrt. Erneuter Ehrengast: das französische Kunstflugteam „Patrouille de France“.
1987: Absturz einer Cessna „Citation“ mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel an Bord. Barschel überlebt als einziger schwer verletzt.
1988: Letzter Großflugtag des Lübecker Vereins für Luftfahrt. Höhepunkt: das britische Kunstflugteam, die „Red Arrows“.
1989: Abschied von den „Broncos“. Ersatz kommt durch schweizer Pilatus PC-9.
Gesprengte Ketten: Die 1990er Jahre
1990: Fortfall der Luftraumbeschränkungen entlang der innerdeutschen Grenze.
1990: Die Firma „Holstenair“ übernimmt die Luftzieldarstellung mit zehn Flugzeugen
vom Typs Pilatus PC 9 und vier Maschinen vom Typ „Westwind“.
1992: Installierung eines wetterunabhängigen Instrumentenlandesystems.
1995: Erste regelmäßige Charterflüge von Blankensee aus nach Malta, Kreta und Mallorca.
1997: Bau eines neuen Ankunftsterminals.
1997: Das „Go Bang!“-Festival lockt über 18.000 Musikfans nach Blankensee.
1998: Weiterer Ausbau der Flughafen-Gebäude.
Im Aufwind: Die 2000er Jahre
2000: „Ryanair“ fliegt erstmals Blankensee an. Erste Flugverbindung nach London-Stansted.
2003: Ende der Zieldarstellungsflüge von Blankensee aus. Die Bundeswehr verlängert den entsprechenden Vertrag mit „Holstenair“ nicht.
2005: Die Stadt Lübeck verkauft die Mehrheit ihrer Anteile am Flughafen an die neuseeländische Gesellschaft Infratil, die den Flughafen ausbauen will. Anwohner des Flughafens schließen sich im Protest verstärkt zusammen.
2008: Flugtag anlässlich der 100-Jahr-Feier des Lübecker Vereins für Luftfahrt.
Zur detaillierten Geschichte
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